Ich und immer wieder ich
Schauspielerinnen und Schauspieler vor und nach dem Auftritt.
Der Moment vor dem Auftritt. Man ist nur ein Herzklopfen von der Bühne entfernt. Gleich spielt man eine Person, die man nicht kennen konnte, die es vielleicht nie gegeben hat. Sie lebt nur durch den Schauspieler. Durch den Körper den er ihr verleiht, durch den sie sprechen kann. Er springt in einen bestimmten Lebensabschnitt einer Person, die andere erfunden haben. Wie er sich verhält, ist ihm vorgeschrieben. In Zeilen und Zeilen und immer wieder Zeilen. Es kann ihm nichts passieren, wovon er nicht schon weiß. Dazwischen ist er, aber eigentlich kommt er nicht vor. Interpretationen bestimmen sein Leben. Wie legt er eine Person an, die niemand kennt? Er handelt, wie er nie handeln würde. Solange, bis der Vorhang sich schließt. Dann ist er plötzlich wieder wer: seine eigene Person.
Der Beruf des Schauspielers trägt viele Diskrepanzen in sich. Wo bleibt die eigene Identität, wenn man auf die Bühne tritt? Oder ist nicht gerade die eigene starke Persönlichkeit des Schauspielers besonders wichtig, um der von ihm, oftmals schon tausende Male von anderen gespielten Figur immer wieder neue Facetten zu schenken. Wieviel der eigenen Identität soll der Schauspieler in die Rolle tragen?
Kurz vor dem Auftritt vollzieht sich dieser Übergang von der eigenen Persönlichkeit und dem gerade erlebten Alltag, zur Konzentration auf die Rolle die man gleich spielen wird. Unmittelbar vor dem Auftritt schießt manchen Nervosität in die Adern, andere sind ganz entspannt. Doch ruhen sie noch in sich oder sind sie in Gedanken und Körperhaltung schon in der Rolle? Und wie schnell finden sie nach dem Spiel wieder zurück?
Kurz vor dem Auftritt vollzieht sich dieser Übergang von der eigenen Persönlichkeit und dem gerade erlebten Alltag, zur Konzentration auf die Rolle die man gleich spielen wird. Unmittelbar vor dem Auftritt schießt manchen Nervosität in die Adern, andere sind ganz entspannt. Doch ruhen sie noch in sich oder sind sie in Gedanken und Körperhaltung schon in der Rolle? Und wie schnell finden sie nach dem Spiel wieder zurück?
Die Fotografin Anna Stöcher dokumentiert genau jene Momente kurz vor einem Auftritt und nach dem Abgang von der Bühne. Die Portraitfotos der Schauspieler veranschaulichen sehr deutlich den Prozess der Verwandlung, die Grenze zwischen realer Person und Rolle, und welche Spuren der Veränderung zwischen dem Beginn eines Stückes und dem Ende zu sehen sind. Sehr häufig meint man in den Bildern eine ganze Lebensgeschichte zu erkennen, die komprimiert in zwei, drei Stunden auf der Bühne stattgefunden hat. In allen Bildern spiegelt sich eine Hochachtung für die Leistung der Schauspieler auf der Bühne wider.
Wenn auch dabei vordergründig diese untrennbar mit dem Beruf des Schauspielers zusammenhängende Verwandlung im Mittelpunkt stehen mag, so lässt sich dahinter sehr viel mehr entdecken. Letztlich verstecken sich in den Bildern von Anna Stöcher einige der ganz wesentlichen Fragen der menschlichen Existenz. Denn anders als bei Tieren, denen die Maske und das Spiel ausschließlich zum Überleben dient, sei es im Kampf, zur Tarnung, oder beim Liebeswerben zur Erhaltung der eigenen Art, sehnt sich der Mensch weit darüber hinaus nach dem Spiel, dem Entdecken neuer Wirklichkeiten durch das sinnliche Erleben von Kunst an sich. Beim Theater sind dabei die Schauspieler als eigentliche Protagonisten des Spiels, des Textes und der Inszenierung, die direkten, wenn auch theoretisch nur reproduzierenden Transporteure des jeweiligen Inhalts des Autors und der Idee des Regisseurs, letztlich also des Gesamtkunstwerks. Dem Publikum offerieren sie die Möglichkeit sich auf eine neue Wirklichkeit einzulassen, und damit der Wahrheit ein Stück näher zu rücken.
Der Schauspieler ist somit eine Art Pfadfinder für sein Publikum auf der Suche nach herausfordernden, spannenden Wirklichkeiten, die das unendliche Mosaik der in Wahrheit nicht existierenden Wahrheit vervollständigen.
Text: Gisa Fellerer
Insgesamt haben 137 Schauspieler in 37 Stücken an folgenden Bühnen in Österreich und Deutschland teilgenommen:
In Wien am Burgtheater, Volkstheater, Theater in der Josefstadt, Schauspielhaus, GarageX, und TAG-Theater an der Gumpendorferstraße, sowie bei den Salzburger Festspielen, am Thalia Theater in Hamburg und am Residenztheater in München.
In Wien am Burgtheater, Volkstheater, Theater in der Josefstadt, Schauspielhaus, GarageX, und TAG-Theater an der Gumpendorferstraße, sowie bei den Salzburger Festspielen, am Thalia Theater in Hamburg und am Residenztheater in München.